Es war nur ein kurzes Gastspiel der Amerikaner im französischen Lyon: Vor drei Jahren stieg die US-Sendegruppe NBC mit 25 Prozent beim europäischen Nachrichtensender Euronews ein. Diesen April ist man die Beteiligung wieder losgeworden. Dabei hatte man 2017 noch große Pläne mit dem Nachrichtensender mit Hauptsitz in der französischen Millionenstadt: Neue Studios wurden eingerichtet, Intros, Musik und Grafiken wurden modernisiert und neue Moderatoren und Korrespondenten angeheuert. Der Einstieg machte sich auch im Geldbörsel bemerkbar. Die Werbeeinnahmen des bis dahin als verschlafen geltenden Nachrichtensenders wuchsen um 50 Prozent.

Nun ist Schluss damit. Seinen Anteil verkaufte NBC an den bisherigen Mehrheitseigentümer des Senders, die Media Globe Networks (MGN) des ägyptischen Telekom-Milliardärs Naguib Sawiris. Er besitzt nun 88 Prozent des 1993 gegründeten Unternehmens, das eigenen Angaben zufolge fast 400 Millionen Haushalte in 160 Ländern erreicht. Die restlichen zwölf Prozent bleiben wie schon bisher im Besitz mehrerer europäischer öffentlich-rechtlicher Sender.

Übernahme von Sky
Der Grund für den Abstoß der *Euronews-Anteile ist in einer anderen Übernahme zu finden. 2018 übernahm der US-Kabelnetzbetreiber und Internetdienstanbieter Comcast um 39 Milliarden US-Dollar die Kontrolle über Sky, zu dessen Portfolio auch der britische Nachrichtensender Sky News gehört. Comcast wiederum ist Mehrheitseigentümer von NBC. So entstand die Idee für NBC Sky World News – ein neuer, globaler Nachrichtensender, der auch in Europa mitmischen soll. Das Engagement bei Euronews wurde damit überflüssig.

Für Euronews wird das Geschäft dadurch nicht unbedingt einfacher: Schon bisher drängten sich auf dem paneuropäischen Nachrichtenmarkt zahlreiche Anbieter. Neben CNN und BBC auch immer mehr Staatssender wie Russia Today, Al-Jazeera und France 24. Noch hat Euronews jedoch eine Verschnaufpause: Wegen der Corona-Krise drückte NBC für seine paneuropäischen Expansionspläne bei Sky World News die Stopptaste.